Askhole, Yutori und andere kostbare Wörter der Welt
Mein neues Lieblingswort ist "Tsundoku". Der im Japanischen zusammengesetzte Begriff bezeichnet das Kaufen und Horten von Schriften und Büchern – ohne dass sie tatsächlich immer gelesen werden. Stattdessen können mit ihnen Bücherstapel gebaut oder Nachttische und Regale gefüllt werden.
In einer romantischeren und sentimentaleren Lesart könne der Ausdruck "die Unfähigkeit beschreiben, dem angenehmen Duft frisch gedruckter Seiten zu widerstehen", schreibt der italienische Journalist und Autor Iacopo Melio in seiner Sammlung "Die kostbarsten Wörter der Welt“ (Piper-Verlag). Auf über 230 Seiten, wertvoll aufgemacht und nach frisch gedruckten Seiten duftend, berichtet er von seiner "Reise zu den unübersetzbaren Schätzen unserer Sprachen".
Begriffe, die einem den Atem rauben
Die sind meist unübersetzbar, aber oft so lautmalerisch, dass man ahnt, ob eine Formulierung das Zeug zum Lieblingswort hat oder nicht. Das schottische "Curglaff" war mir zum Beispiel direkt unsympathisch. Es beschreibt das – wie Melio schreibt – "beißende, aber auch belebende Gefühl, wenn man morgens ein Bad in eiskaltem Wasser nimmt". Brrr... "Eine solche durchdringende Kälte, dass sie einem fast den Atem raubt", gehört nicht zu meinen Lebensfavoriten.
Ähnlich kühl und ziemlich eindeutig ist auch das "Askhole". Dieser wohl vor allem in Kanada gebräuchliche Ausdruck bezeichne jemanden, "der ständig um Rat fragt, schlussendlich aber doch stets das Gegenteil von dem tut, was ihm geraten wurde". Oh, da fallen mir viele Leute ein...
Die gut 180 Begriffe (auch lautmalerisch besonders anspruchsvoll sind das chinesische "Zhi zi zhi shou yu zi xie lao" und das finnische "Hyppytyynytyydytys" – das entspannende Gefühl, sich in ein weiches Kissen fallen zu lassen) sind alphabetisch nach ihrer jeweiligen Herkunftssprache sortiert, also von Akan (wird in Ghana gesprochen) über Deutsch und Französisch, Koreanisch und Niederländisch bis zu Yghan (Sprache des Yámana-Stammes in Feuerland). Ein Sammelsurium von Sprachen, Ländern und unterhaltsamen Geschichten, das nicht nur für Schreibprofis und Sprachbegeisterte Inspirationen liefert.
Iacopo Melio: Die kostbarsten Wörter der Welt.
Eine Reise zu den unübersetzbaren Schätzen unserer Sprachen
Piper Verlag München
238 Seiten, 14 Euro
ISBN 978-3-492-07508-4